Likrat baut trotz Lockdown an der Zukunft

Auch das Dialogprojekt des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG muss mit den Ungewissheiten in der Coronakrise umgehen. Likratbegegnungen können derzeit physisch nicht durchgeführt werden. Die Projektverantwortlichen zeigen Flexibilität und arbeiten an Plänen und neuen Ideen. Das Nachziehen von neuen Likratinos und Likratinas wird aber nicht unterbrochen, sondern vielmehr virtuell fortgesetzt.

Der Erfolg des Likratprojekts hängt von den vielen freiwilligen Likratinos und Likratinas und ihrem Engagement ab. Damit diese auf ihre Begegnungen mit Schulklassen und später auch mit Erwachsenen vorbereitet sind und sich sicher fühlen, werden sie von Experten ausgebildet und begleitet. Das Projekt kann sich aber nicht auf erfahrenen Likratinos und Likratinas ausruhen, sondern muss stetig neue Jugendliche und Interessierte heranziehen. Es wird auch nach einem Abflachen der Coronakrise ein derartiges Projekt, das auf Aufklärung via Dialog setzt, dringend brauchen. Darum haben die Projektverantwortlichen von physischen auf virtuelle Ausbildungsgänge umgestellt. Letzten Sonntag fand die erste der Likratausbildungen per Zoom statt.

Virtuell auf Augenhöhe

Das Prinzip hinter Likrat ist die Auseinandersetzung auf Augenhöhe – und das sehr dynamisch, um die Begegnungssituation so authentisch und offen wie möglich zu gestalten. Die Jugendlichen werden darum die ganze Ausbildung hindurch weniger durch Frontalunterricht, sondern mehr durch spontane Fragestellungen in Gruppendiskussionen herausgefordert. Von Angesicht zu Angesicht ist das einfacher als per Bildschirm. Trotzdem haben sich letzten Sonntag acht angehende Likratinos und Likratinas den ungewohnten Bedingungen angepasst und motiviert mitgemacht. Die behandelten Themen haben sich nicht verändert. Es ging um Fragen zum Jüdischsein und Antisemitismus sowie Fragen zu Israel. Die Jugendlichen lernen hier vor allem, wie sie, von der eigenen Perspektive ausgehend, unvorhersehbare Fragen so beantworten können, dass sie verstanden werden und sie sich dabei wohl fühlen können. Auch virtuell sind die Jugendlichen in solchen Ausbildungsgängen stark gefordert. Es hat sich aber gezeigt, dass nach einer Eingewöhnung auch Videoausbildungen zu Lernfortschritten führen.

Likrat bereitet sich vor

«Das Likratprojekt lebt von der Begegnung mit Menschen», meint Likrat-Projekleiter Jonathan Schoppig. Darum seien die coronabedingten Einschränkungen derzeit besonders schwer auf das Konzept zu übertragen. Die Likratverantwortlichen machen sich schon seit Beginn der Krise Gedanken, wie und in welchem Rahmen die Begegnungen wieder aufgenommen werden können. «Es gibt einige Ideen und Konzepte, die wir sehr spannend finden», so Schoppig. Auch sie müssten sich laufend den sich schnell verändernden Begebenheiten und Vorschriften des Bundesrats sowie der Gesundheits- und Erziehungsbehörden anpassen. Es liesse sich darum im Moment noch nicht sagen, ab wann Likrat wieder nach aussen in Erscheinung treten wird. Schoppig ist aber zuversichtlich: «Likratbegegnungen wird es wieder geben. Wir wissen noch nicht genau wann und wie, wir werden aber bereit sein!»

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