SIG gestaltet Tangram-Magazin mit

Das neue Tangram-Magazin widmet sich dem Thema Antisemitismus. Der SIG hat das Heft der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR stark mitgeprägt.

Neben spannenden Beiträgen von Wissenschaftlern haben auch SIG-Vertreter mehrere Texte geschrieben: Sabine Simkhovitch-Dreyfus schreibt darüber, wie der Staat Antisemitismus bekämpfen kann und soll. SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner verfasste einen Artikel über die drei grössten aktuellen Herausforderungen für die Schweizer Juden: Antisemitismus, Religionsfreiheit und Sicherheit. Lea Bloch, stellvertretende Leiterin Kommunikation, berichtet über die Auschwitzreise für Lehrkräfte, die der SIG organisiert. Bebildert ist das ganze Heft mit Porträts der SIG-Wanderausstellung zu 150 Jahren Gleichberechtigung.

«Das neue Tangram geht auf aktuelle Formen von Antisemitismus in der Schweiz und im Ausland ein. Die verschiedenen Beiträge zeigen, wie sich Antisemitismus von anderen Formen von Vorurteilen und Rassismus unterscheidet – aber auch, was die Gemeinsamkeiten sind», sagt Sabine Simkhovitch-Dreyfus, die nicht nur beim SIG, sondern auch bei der EKR als Vizepräsidentin amtet. «Ich bin sehr froh, dass ich als SIG-Delegierte die jüdische Minderheit in der EKR vertreten darf. Dies ist nicht nur deshalb wichtig, weil wir so unsere Sensibilität und unsere Anliegen mit einbringen können, sondern auch weil gerade für uns Juden der Kampf gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierungen so wichtig ist.»

In ihrem Artikel im Tangram schreibt Simkhovitch-Dreyfus, dass der Staat sich aktiv um eine Präventionspolitik bemühen müsse und dass Prävention oft nichts mit der Integration zu tun habe: «Wir Juden sind ein gutes Beispiel einer lang ansässigen und gut integrierten Minderheit, welche trotzdem unter antisemitischen Vorurteilen zu leiden hat», stellt Simkhovitch-Dreyfus fest.

Das Magazin nähert sich dem Phänomen Antisemitismus aus unterschiedlichen Perspektiven. Besonders spannend sind die Beiträge, die sich aktuellen Formen der Judenfeindlichkeit widmen. So schreibt etwa der bekannte Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici über den «nNeuen Antisemitismus», der vor allem von Menschen verbreitet wird, die strikt behaupten, keineswegs Antisemiten, sondern «nur» Antizionisten zu sein.

Der neue Antisemitismus gibt sich oft explizit antirassistisch, legt Rabinovici dar. Er ist nicht nur in rechtsradikalen, sondern auch in linken Kreisen sowie in der Mitte der Gesellschaft verbreitet. Rabinovici gelangt zu der nicht gerade optimistischen Feststellung, dass heute ein globaler Antisemitismus existiere, der «den Juden» und Israel zum Synonym des westlichen Imperialismus und somit «des Bösen» schlechthin mache. Die Antisemitismusforscherin Monika Friesel-Schwarz schreibt über den Sprachgebrauch von Antisemiten. Sie legt dar, dass der alte Vulgär-Antisemitismus seit Auschwitz verpönt ist. Die Ausdrucksformen des alten Hasses auf die Juden hätten sich angepasst. Antisemitische Hetze gegen Israel bediene sich aber der exakt gleichen Mittel und Strategien, die seit Jahrhunderten die judenfeindliche Kommunikation ausmachen, schreibt Friesel-Schwarz. Typisch sind etwa NS-Vergleiche («Zionazis») und groteske Übertreibungen («Israel ist die grösste Gefahr für den Weltfrieden»). Ebenso spannend sind die Beiträge von Autorinnen und Autoren wie der bekannten Antisemitismusforscherin Juliane Wetzel, dem ehemaligen Nationalrat und Historiker Josef Lang und von vielen weiteren.

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