Likrat International mit beachtlichen Erfolgen

Likrat ist in den Schweizer Schulen gut etabliert und sehr beliebt. Jährlich nehmen rund 80 Schulklassen das Angebot in Anspruch. Doch der SIG exportiert Likrat auch ins Ausland. In Deutschland und Österreich werden seit 2015 Begegnungen organisiert, und auch in Belgien und Moldawien wird es bald so weit sein. Wir haben Likrat in Österreich und Moldawien genauer unter die Lupe genommen und mit zwei Verantwortlichen gesprochen. In beiden Ländern hat Likrat mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen – und konnte in beiden Ländern schon beachtliche Erfolge erzielen.

Österreich

«Likrat konnte in Österreich Fuss fassen. Das ist der grösste Erfolg, den wir erreicht haben», erklärt Benjamin Gilkarov, Verantwortlicher für Likrat Österreich der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG). Das Präsidium der IKG Wien hat Likrat Österreich ins Leben gerufen. Vor zwei Jahren wurden unter der Leitung der Projektverantwortlichen Mag. Beatrice Kricheli die ersten Likratinos und Likratinas ausgebildet. Ein weiterer Lehrgang folgte 2016, und der nächste ist für das Jahr 2018 geplant. Diese Likratinos und Likratinas besuchten im Jahr 2016 über 30 Schulklassen in ganz Österreich und haben einen guten Eindruck hinterlassen: 93 bis 95 Prozent der Feedbacks fallen positiv aus.

Bis die ersten Begegnungen stattfinden konnten, mussten zahlreiche Hürden überwunden werden. «Das Team musste das Projekt zuerst begreifen und verstehen, was Likrat eigentlich ist, was es bewirkt und wie einflussreich es ist. Ohne Likrat würden viele Jugendliche nie in Kontakt mit Juden kommen, doch genau die persönliche Begegnung ist die Grundlage, um eine eigene Meinung zu bilden und so Vorurteile abzubauen.», so Gilkarov. Diese Erkenntnisse überzeugend den Lehrpersonen zu vermitteln, kostete viel Zeit und Energie. Die Verantwortlichen mussten den Lehrerinnen und Lehrern regelrecht auf die Nerven gehen, damit sie Likrat einen Versuch zugestanden. Auch bei den jüdischen Jugendlichen war Überzeugungsarbeit nötig, damit sie beim Projekt mitwirkten. Die ersten Begegnungen waren eine Herausforderung, da die Likratinas und Likratinos auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen konnten. Das Likrat-Österreich-Team war deshalb froh, auf die Unterstützung und das Wissen des SIG zurückgreifen zu können. Gilkarov lobt die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Dachverband: «Wir sind froh, dass uns der SIG dabei unterstützt hat, das Projekt in Österreich ins Leben zu rufen. Die Kooperation mit dem SIG ist vorzüglich, dafür sind wir sehr dankbar!»

Moldawien

Anders als in Österreich wurde Likrat in Moldawien nicht auf Initiative einer jüdischen Gemeinde, sondern von LivingStones Association, einem Verein, der im Mai 2016 von der Züricherin Yvette Merzbacher gegründet wurde, ins Leben gerufen.

Da ihre Grosseltern aus dem Gebiet des heutigen Moldawiens stammten und in den 1920er und 30er Jahren nach Peru auswanderten, ist es Yvette Merzbacher ein Anliegen, dass das Judentum und das jüdische Erbe in Moldawien nicht in Vergessenheit gerät. Sie trägt ihren Teil dazu bei, indem sie Likrat in Moldawien einführt. Dabei ist sie mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert: Sie muss in Moldawien vertrauenswürdige Partner für die Zusammenarbeit finden und ein Netzwerk aufbauen; sie muss dafür sorgen, dass das Geld an die richtigen Stellen fliesst; sie muss Schulen und Schüler überzeugen, am Projekt teilzunehmen. Für die Projektverantwortliche, die in der Schweiz lebt, ist dies ein enormer Aufwand. Noch ist Yvette Merzbacher eine Einzelkämpferin. Dies möchte sie ändern: «Für jede Art der Hilfe bin ich dankbar, sowohl durch Mitwirkende als auch bei der Finanzierung. Die jüdische Gemeinschaft in Moldawien ist die ärmste in Europa.» Der erste Meilenstein ist erreicht: Im September wird der erste Likrat-Lehrgang mit 55 Jugendlichen starten. In Workshops sollen die Likratinos und Likratinas ihre jüdische Identität kennenlernen und stärken, aber auch die jüdische Geschichte des Landes wird vermittelt. Die ersten Begegnungen sind für März 2018 geplant. Öffentliche Schulen haben bereits Interesse gezeigt.

Auch Yvette Merzbacher schätzt die gute Zusammenarbeit mit dem SIG und freut sich, dass sie das Label Likrat nach Moldawien bringen konnte. Likrat sei sehr wertvoll: «Das Projekt stärkt nicht nur die jüdische Identität in Moldawien. Es vermittelt den Schülern auch gezielt die Fähigkeiten, «Jewish Leaders of Tomorrow» zu werden, es lehrt Respekt und fördert den interreligiösen Dialog,»

Weitere Informationen: www.likrat.org oder Enable JavaScript to view protected content.

Am 12. September wird der moldawische Film «Absent» in der ICZ gezeigt. Anschliessend findet ein Gespräch mit dem Regisseur Matthew Mishory und Yvette Merzbacher statt.

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