Dialog trotz politischer Uneinigkeit

Beide sind jung, beide mussten sich deshalb Respekt im Bundeshaus erkämpfen. Doch auf der politischen Ebene sind sich SP-Nationalrätin Mattea Meyer und SVP-Nationalrat Lukas Reimann nur selten einig. Wie Dialog über die Parteigrenzen hinaus trotz unterschiedlicher Ansichten geführt werden kann, zeigten die Politiker 13 Likratinas und Likratinos bei einem Rundgang durch das Bundeshaus.

Ihre politischen Schwerpunktthemen und vor allem ihre politische Ausrichtung unterscheiden sich. Mattea Meyer politisiert linkt, Lukas Reimann rechts. Trotz dieser für Bundesbern nicht unwesentlichen Differenz führten beide Politiker gemeinsam eine Gruppe junger Juden, Likratinos und Likratinas, durch das Bundeshaus.

Nach einem Rundgang unter der Bundeshauskuppel, durch die Wandelhalle und kurz sogar im Nationalratssaal, kamen alle Beteiligten zur Sache: Dialog. Zu Besuch waren schliesslich Likrat-Jugendliche, die sich schon oft dem Dialog mit Andersdenkenden gestellt haben. Meyer und Reimann sind da ebenfalls nicht unerfahren. Sie diskutierten und standen Red und Antwort.

Waren sich die Beiden in Sachen Transparenz bei der Entlohnung von Parlamentariern einig, entstand beim Thema Religionsfreiheit eine angeregte Debatte. Die Differenzen in den politischen Ansichten waren nicht zu übersehen - sowohl bei den Politikern als auch bei den jüdischen Jugendlichen. Die Likratinos und Likratinas konfrontierten beide Politiker mit kritischen Fragen und interessierten sich besonders für die Ansichten und Einschätzungen zu den Themen Schächten oder Beschneidung. In der Runde wurde es durchaus lebhaft und teilweise gar hitzig,. Die Likratinas und Likratinos waren beeindruckt Sie schätzten die Offenheit von Reimann und Meyer und waren überrascht wie präzis und wortgewandt – und manchmal selbstironisch – beide Politiker ihre Standpunkte präsentierten. Das Gespräch sei besonders interessant gewesen, weil sich die beiden oft uneinig waren, berichtete eine Likratina. Auch die Parlamentarier stellten Fragen: So warf Lukas Reimann in die Runde, ob man mit einem solchen Projekt wie Likrat die Vorurteile nachhaltig bekämpfen könne? Alle waren sich in dieser Frage einig: Spricht man miteinander, lernt man sich kennen, was gegenseitiges Verständnis schafft.

Der Besuch im Bundeshaus zeigte, dass ein Dialog über die Parteien hinaus geführt wird. Die Kontakte über eigene Partei hinaus seien wichtig, denn man brauche sie, um Mehrheiten zu schaffen, so Lukas Reimann. Mattea Meyer fügte an, dass die Entscheidungen von Politikerinnen und Politiker einen grossen Einfluss auf die Schweiz hätten. Unter ihnen Kolleginnen und Kollegen habe es jedoch solche, die ein Menschenbild vertreten, mit dem sie Mühe habe. Einen Dialog führen, müsse man aber dennoch. Überdies machte die Fragerunde klar, dass unterschiedliche Meinungen zu vertreten, gut und wertvoll für einen fruchtbaren Dialog ist. Es müssen und sollen nicht alle gleicher Ansicht sein. Doch wichtig ist, dass man die Meinung des anderen akzeptiert und sich mit gegenseitigem Respekt begegnet. Genau dies haben die SP-Nationalrätin, der SVP-Nationalrat und die Likratinas und Likratinos getan.

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