Westschweizer Visite des jüdischen Kulturguts in Zürich

Rund dreissig Mitglieder der Westschweizer jüdischen Gemeinden von Genf und Lausanne machten sich am 15. September 2019 auf den Weg nach Zürich. Erstes Ziel war die Dokumentationsstelle Jüdische Zeitgeschichte des Archivs für Zeitgeschichte der ETH Zürich. Im Tagesprogramm, organisiert vom Kulturdepartement des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG, folgte darauf ein Spaziergang durch das jüdische Zürich.

Für die Besucher aus der Westschweiz gab es viel zu entdecken und die Neugier war gross. Kein Wunder, denn für viele Romands war das spezialisierte und einzigartige Archiv für jüdisches Leben, jüdische Kultur und Geschichte in der Schweiz unbekannt. Dort sind beispielsweise die Archive des SIG, vieler jüdischer Verbände, der jüdischen Presse und die Akten einiger jüdischer Familien hinterlegt. Viele Dokumente stammen auch aus der Romandie. Umso wichtiger waren damit die Hinweise und Erklärungen der beiden Historikern Gregor Spuhler und Sabina Bossert, insbesondere dass die Archivalien in grossen Teilen digitalisiert und im Internet zugänglich sind.

Danach machten sich die Teilnehmenden dazu auf, das jüdische Zürich zu Fuss zu entdecken. Bei strahlendem Sonnenschein und unter der Leitung von Nicole Dreyfus, Stadtführerin und Historikerin, sowie Jonathan Kreutner, Generalsekretär des SIG, folgten sie den Spuren des jüdischen Lebens, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Höhepunkt war schliesslich der Besuch des Haus zum Brunnenhof an der Brunngasse 8. Profane Wandmalereien, die mit hebräischen Inschriften versehen sind, zeugen von der Anwesenheit einer jüdischen Familie in diesem Haus um das Jahr 1350. Es ist dies einer der ältesten Belege für ein jüdisches Wohnhaus in Europa. Der SIG und die Stadt Zürich haben einen Verein gegründet, um das einmalige Kulturerbe zu erhalten und die Wohnung zu einem kleinen Museum zu machen. Die Westschweizer Besuchergruppe war gewissermassen die erste offizielle Besuchergruppe dieses alten wie neuen Kulturguts.