Likrat – ein Schweizer Export nach Peru

Das SIG-Dialogprojekt Likrat wird zukünftig auch in Peru Fuss fassen. Nach Deutschland, Österreich und Moldawien ist Peru das vierte Land, welches das Likratprojekt aus der Schweiz adaptiert. Likratprojektleiter Jonathan Schoppig war eine Woche in Lima zu Besuch, um zusammen mit dem Verantwortlichen Damien Weber, Konzeption, Ausbildung und Zielsetzung des Projekts zu erklären und auszuarbeiten. Start der Ausbildung der jüdischen Jugendlichen ist bereits diesen Herbst und die ersten Likrat-Begegnungen sollen im Frühling 2020 stattfinden.

Mit seinen 31 Millionen Einwohnern ist Peru kein kleines Land in Südamerika. Die 2500 Juden im Land sind dagegen eine ausgesprochen kleine Minderheit und auch in einem weltweiten Vergleich eine überschaubar grosse jüdische Gemeinschaft. Umso mehr ist das Wissen über das Judentum an sich, die Religion oder die Kultur in der Bevölkerung nur spärlich vorhanden. Eine Aufklärungs- und Dialogoffensive könnte hier helfen. Darum haben sich die Verantwortlichen der peruanisch-jüdischen Gemeinschaft entschieden, das SIG-Dialogprojekt Likrat zu übernehmen.

Ein SIG-Likratspezialist fliegt nach Lima

Die Verantwortlichen der jüdischen Gemeinschaft in Peru recherchieren und prüfen bereits seit einiger Zeit Projekte, die in anderen Länder Erfolge erzielt haben. So stiessen sie auch vor vier Monaten auf das Likrat-Projekt aus der Schweiz. Die Konzeption, die aus der Ausbildung und der Stärkung des Selbstbewusstseins von jungen jüdischen Menschen und der Aufklärung nichtjüdischer Gleichalteriger im Dialog, war überzeugend. Darum haben sie sich zu einer Übernahme von Likrat entschieden. Mitte September flog der SIG-Projektleiter von Likrat, Jonathan Schoppig, auf Einladung der jüdischen Gemeinschaft von Peru nach Lima, um seine Erfahrungen zu teilen, Fragen zu beantworten und vor allem die Ausbildung der jungen Menschen aufzugleisen.

Vorurteile offensiv mit Dialog angehen

Damian Weber, Vorgesetzter der Lehrer an der jüdischen Schule in Lima, hat die Aufgabe übernommen, Likrat in Peru einzuführen. Als Herausforderungen der jüdischen Gemeinschaft in Peru erkennt er eine gewissen Apathie und ein Desinteresse bei den Jungen, wenn es um ihre jüdische Herkunft geht. «Wir wollen ihnen zeigen, dass es Juden auch ausserhalb der peruanischen Grenzen gibt, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, seien es Antisemitismus, Vorurteile oder Orientierungsschwierigkeiten der jungen Generation», meint Weber. Vorurteile gegenüber Juden seien in der peruanischen Gesellschaft weit verbreitet. Nichtjüdische Jugendliche würden wiedergeben, was sie von ihren Eltern oder aus den Medien hören. Oft sei das Bild von Juden von israelkritischen Einstellungen überlagert. Es sei nun an der Zeit, mittels Dialog offensiver den Menschen Wissen und Kontakt zu Juden zu ermöglichen.

Start der Ausbildung ist bereits im Herbst 2019

SIG-Likratspezialist Schoppig und Weber haben sich in zeitintensiven und konzentrierten Workshops mit dem Projekt und den lokalen Bedingungen auseinandergesetzt. Der Fahrplan ist ambitioniert und darum auch pragmatisch. «Wir wollen uns in kleinen Schritten entwickeln. Mit dem Mut zu Trial and Error soll nun das Projekt starten», meint Weber. Die ersten Likratinos und Likratinas im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sollen planmässig diesen Herbst ihre Ausbildung beginnen. Die ersten Dialog-Begegnungen an nichtjüdischen Schulen sollten ab Frühling 2020 stattfinden. Schoppig zeigt sich ebenfalls vom Potential des peruanischen Likratablegers überzeugt: «Likrat hat bereits in Deutschland, Österreich und in Moldawien gezeigt, dass es auch ausserhalb der Schweiz auf die richtigen Bedürfnisse trifft. Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn die peruanischen Likratinos und Likratinas zu einem internationalen Likrataustausch nach Europa kommen.»