In Gedenken an Eduard Kornfeld

Am Dienstag ist der Holocaust-Überlebende Eduard Kornfeld im Alter von 91 Jahren verstorben. Kornfeld war eine wichtige Stimme gegen das Vergessen der Schoah. Er engagierte sich hartnäckig für das Erinnern und die Aufklärung. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund SIG gedenkt ihm und drückt der Familie sein tief empfundenes Beileid aus.

Für Eduard Kornfeld war das Erinnern an die Schoah eine zentrale Lebensaufgabe. Dafür trat er vor Schulklassen auf, hielt Vorträge, reiste mit Lehrpersonen zusammen nach Auschwitz-Birkenau oder wirkte in Dokumentationen mit. In einer solchen Dokumentation sagte er auch: «Man darf die Freiheit die wir heute besitzen nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir dürfen keine Mitläufer werden und müssen für unserer Freiheit kämpfen.» Für Kornfeld war klar, dass die Erinnerung dazu beiträgt Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen und eine Wiederholung der schrecklichen Ereignisse von damals zu verhindern.

Eduard Kornfeld – von Auschwitz über Dachau in die Schweiz

Geboren und aufgewachsen in der heutigen Slowakei nahe Bratislava wurde Kornfeld mit vierzehn Jahren nach Auschwitz deportiert und überlebte mehrere Selektionen sowie Tuberkulose, Unterernährung und schliesslich auch den Todesmarsch nach Dachau. Als das Lager und damit auch Kornfeld am 29. April 1945 befreit wurde, wog er gerade noch 27 Kilogramm. Er kam zur Genesungskur in die Schweiz, wo er auch blieb, obwohl ihm hier manchmal ebenfalls Ausgrenzung wiederfuhr. Allen Widerständen zum Trotz, begann Kornfeld eine Ausbildung als Juwelenfasser und machte sich erfolgreich selbständig. Mit seiner Frau Ruth gründete er eine Familie mit drei Kindern und sieben Enkelkindern.

Der SIG gedenkt einem der letzten Zeitzeugen

Schon wieder muss sich die jüdische Gemeinschaft und die Schweiz von einem Holocaust-Überlebenden für immer verabschieden. Nur kurze Zeit nach dem Tod von Gábor Hirsch ist nun mit Eduard Kornfeld ein weiterer Zeitzeuge der Schoah verstorben. Dies macht uns schmerzhaft bewusst, dass es nicht mehr lange dauert, bis wir die Erinnerung an dieses schreckliche Menschheitsverbrechen nicht mehr direkt durch die Opfer aufrechterhalten können. Der SIG gedenkt einem der letzten Menschen in der Schweiz, der den nachfolgenden Generationen noch von seiner Geschichte erzählen konnte – und dies oft und mit grosser Leidenschaft getan hat. Der jüdische Dachverband spricht der Familie und den Freunden von Eduard Kornfeld seine aufrichtige Anteilnahme und sein tief empfundenes Beileid aus.


In der Kurzdokumentation «70 Jahre Freiheit: Schweizer Zeitzeugen des Holocausts kommen zu Wort» schilderten Eduard Kornfeld und Gábor Hirsch, wie sie die Befreiung der Konzentrationslager erlebt haben. Der Film wurde 2015 anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocausts und 70 Jahre nach der Befreiung vom SIG herausgegeben