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Flüchtlingssabbat 2017: «Das Misstrauen gegenüber Flüchtlingen ist gross»

Am kommenden Wochenende ist Flüchtlingsabbat und -sonntag. Wir haben mit Diana Rüegg darüber gesprochen. Rüegg ist Leiterin des Asylbereichs des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen VSJF und Präsidentin der Schweizerischen Flüchtlingshilfe.

Aufruf zum Flüchtlingssabbat

Wie wichtig ist dieser Tag für den VSJF?

Der Flüchtlingstag ist für uns eine willkommene Möglichkeit, viele Menschen für die Flüchtlingsproblematik zu sensibilisieren. Das Misstrauen gegenüber Flüchtlingen ist gross, es gibt viele Missverständnisse.

Was sind die wichtigsten Punkte, die Sie an diesem Tag klarstellen wollen?

Erstens kann man nicht genug oft wiederholen: Es braucht sehr viel, bis sich jemand zur Flucht entscheidet. Manche Leute meinen, insbesondere sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge kämen in die Schweiz, um hier den Sozialstaat auszunutzen und ein Leben in Saus und Braus zu führen. Das ist natürlich falsch. Nur wer in grosser Not ist, verlässt seine Familie, seine Freunde und riskiert auf der Flucht nach Europa sein Leben. Diese Leute haben meist schlicht keine andere Option als die Flucht nach Europa.

Und zweitens ist das Thema Integration sehr wichtig: Wir müssen nicht nur Integration einfordern, sondern auch Hilfe bei der Integration leisten. Der Wille zur Integration ist bei den allermeisten Flüchtlingen und Asylbewerbern sehr gross. So sind zum Beispiel die Deutschkurse im Zentrum Juch in Zürich sehr gut besucht. Wichtig ist aber, dass die Menschen möglichst bald arbeiten können. Nur so können sie unsere Kultur, Normen und Werte richtig kennenlernen. Dazu kommt: Mit einer guten Integration entziehen wir dem Extremismus den Nährboden.

Wie wichtig ist es, dass der VSJF eine jüdische Organisation ist?

Man spürt die Geschichte und den jüdischen Hintergrund beim VSJF gut. Auch wenn es heute anders als zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, als der VSJF extrem stark gefordert war, keine jüdischen Flüchtlinge gibt. Heute engagieren wir uns im Asylbereich für Flüchtlinge mit anderen religiösen Hintergründen. Schlussendlich bewahren wir so aber auch das Knowhow, falls es in Zukunft wieder einmal jüdische Flüchtlinge gibt – was hoffentlich nie der Fall sein wird. Und der Sozialdienst des VSJF kümmert sich natürlich tagtäglich in der ganzen Schweiz um jüdische Klienten. Darunter gibt es nach wie vor Holocaustüberlebende.

Sie präsidieren die Schweizer Flüchtlingshilfe, bei der neben dem VSJF auch die Caritas, das HEKS, das Schweizerische Arbeiterhilfswerk, Amnesty International sowie die Heilsarmee vertreten sind. Können Sie als VSJF-Mitarbeiterin eine spezifisch jüdische Perspektive in die Schweizer Flüchtlingshilfe einbringen?

Der VSJF war ein Gründungsmitglied der Flüchtlingshilfe, und deshalb sind wir sicher ein wichtiger Teil von ihr, auch wenn wir im Verhältnis eine kleinere Organisation sind als etwas Caritas und HEKS.

Der VSJF

1908 als noch loser Verbund gegründet, wurde der VSJF 1925 als Dachorganisation aller jüdischen Armenpflegen in den SIG integriert. Seit 1943 tritt er unter dem Namen «Verband Schweizerischer Jüdischer Flüchtlingshilfen/Fürsorgen» (VSJF) auf. Der VSJF verfügt über einen Sozialdienst, der jüdischen Menschen, die meist keiner Gemeinde angehören, Hilfe anbietet. Er arbeitet eng mit den Gemeinden zusammen und bietet Weiterbildungen im sozialen Bereich an. Der VSJF unterstützt, berät und betreut die in der Schweiz wohnhaften Holocaustüberlebenden; er ist die offizielle Vertretung der Claims Conference in der Schweiz. Der VSJF ist ein vom Bund anerkanntes Hilfswerk und Mitglied der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH. In diesem Rahmen beteiligt sich der VSJF im Asylverfahren sowie im Testzentrum Zürich und setzt Hilfswerksvertreter ein. Der VSJF engagiert sich seit vielen Jahren dafür, dass Personen, die in der Schweiz um Asyl ersuchen, ein faires und korrektes Verfahren erhalten und ihre Rechte respektiert werden.

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