Der SIG wendet sich an die jüdische Gemeinschaft

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund SIG wendet sich in einem Schreiben an die Gemeinden und die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz. Diese Zeit der Coronakrise verlangt von allen viel ab. Sie lässt aber auch die Solidarität und den Gemeinschaftssinn erstarken. Der SIG als Dachverband der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz unterstützt die Bemühungen der Gemeinden und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Wir hoffen, dass es Ihnen und Ihren Familien gut geht. Es ist eine schwierige Zeit für uns alle, als Menschen und auch als Juden. Unser Gemeindeleben steht weitgehend still. Und viele von uns werden dieses Jahr einen einsamen Seder entweder im kleinen Rahmen der Familie oder sogar ganz alleine verbringen müssen. Das alles ist neu für uns.

Trotzdem stimmt uns die grosse Solidarität, die wir in unserer Gemeinschaft spüren, zuversichtlich. Solidarität heisst heute: physisch Abstand halten – und einander doch näher sein als je zuvor. Junge unterstützen Ältere, Grossgemeinden helfen Kleingemeinden und Importeure von Koschererzeugnissen für die Deutschschweiz kümmern sich auch um Juden in der Romandie. Wir halten zusammen und das ist gut so!

Die Coronakrise hat auf unser jüdisches Leben schwerwiegende lokale Auswirkungen. Da sind die Gemeinden gefordert und sie tun alle einen hervorragenden Job.

Aber auch der SIG bleibt in diesen schwierigen Tagen und Wochen nicht untätig. Wir sind am Anfang der Krise mit einem dringlichen Appell an die jüdische Gemeinschaft gelangt, sich an die vom Bund vorgeschriebenen Verhaltensregeln zu halten und bieten auch auf unserer Website eine Zusammenstellung diverser Hilfsangebote in der Krise an.

Wir haben in den letzten Tagen mit Gemeindevertretern Kontakt aufgenommen und sie gefragt, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind, wie sie sich organisieren und ob sie Unterstützung vom SIG benötigen. Es stellte sich heraus, dass die Gemeinden in unterschiedlicher Art und Weise vom Coronavirus und seinen Folgen betroffen sind. Es müssen ältere Menschen und Menschen aus den Risikogruppen versorgt werden, einige Gemeindemitglieder geraten aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in finanzielle Nöte, das Gemeindeleben und der Religionsunterricht müssen in die virtuelle Welt verlagert werden und die Versorgung mit Koschererzeugnissen und Pessachprodukten muss gewährleistet bleiben. Es stellen sich auch täglich praktische Fragen um Kurzarbeit von Gemeindemitarbeitenden. Auch die schwierige Lage bei der Durchführung von Bestattungen müssen Gemeinden meistern

Unsere Gespräche haben gezeigt, dass die Versorgung von älteren Gemeindemitgliedern und solchen, die einer anderen Risikogruppe angehören, durch die Freiwilligendienste der Gemeinden gewährleistet sind. Auch die Versorgung mit Koschererzeugnissen und Pessachprodukten ist kein existentielles Problem. Dort, wo sich Schwierigkeiten ergeben, helfen wir.

Die Gemeindeführungen sind mit vielen Fragen konfrontiert: Sei es, wenn es um die Umsetzung der behördlichen Vorgaben oder die Einführung von Kurzarbeit oder wenn es um Fragen der Kommunikation von schwierigen Massnahmen geht. Auch hier steht der SIG mit Rat und Tat zur Seite.

Die SIG-Geschäftsstelle hat schon vor zwei Wochen vollständig auf Homeoffice umgestellt. Der SIG vertraut auf eine langjährige Erfahrung mit modernen, dezentralen Arbeitsstrukturen und digitalen Methoden und Konferenzsystemen. Wenn Fragen zu Homeoffice oder technischen Hilfsmitteln bestehen, hilft die SIG-Geschäftsstelle gerne weiter.

Leider wissen wir aber auch, dass nach der Coronakrise viel Arbeit auf uns zukommen wird. Uns ist auch bewusst, dass auf den SIG und die Gemeinden nach der Krise finanzielle Herausforderungen zukommen werden, die wir überwinden müssen.

Wir haben ausserdem bereits mit unserem Antisemitismusbericht, der vor einem Monat publiziert wurde, festgestellt, dass sich Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch befinden. Auch antisemitische Kommentare und Verschwörungstheorien, die den Ausbruch des Coronavirus mit der jüdischen Gemeinde in Verbindung bringen, verbreiten sich nun rasend schnell im Internet, insbesondere in den sozialen Medien. Solche Theorien kursieren bereits im Ausland und vor allem in den USA. In der Schweiz stellen wir die Verbreitung solcher Theorien noch nicht vermehrt fest. Wir beobachten die Situation aber hierzulande sehr genau und werden entsprechende Massnahmen ergreifen, falls dies nötig erscheinen sollte.

Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, die jüdische Gemeinschaft in diesen schwierigen Wochen und Monaten zu unterstützen. Wir werden die Arbeit des SIG gerade jetzt und auch in Zukunft intensivieren.

Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf!

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