Eine Ära geht zu Ende

An der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG wird Herbert Winter sein Amt als SIG-Präsident weitergeben. Zwölf Jahre lang hatte er den Vorsitz über die Geschäftsleitung inne und die Geschicke des SIG gelenkt. Unter seiner Ägide hat sich der Dachverband professionalisiert und ist zu einer angesehenen Stimme in Gesellschaft und Politik avanciert.

Am 18. Oktober 2020 findet im Berner Kursaal die SIG-Delegiertenversammlung statt. An diesem Tag verabschiedet der SIG auch seinen langjährigen Präsidenten Herbert Winter. Nach Ablauf der maximalen Amtsdauer von zwölf Jahren wird Herbert Winter die wichtige und prominente Führungsrolle der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz an einen Nachfolger übergeben. Herbert Winter wird einen gestärkten SIG übergeben und eine jüdische Gemeinschaft hinterlassen, die sich im Innern näher gerückt ist und mehr auf Zusammenarbeit und Gespräche setzt. Es ist seiner ruhigen, sachlichen und vermittelnden Art zu verdanken, dass Probleme und Konflikte offen und im Ausgleich angegangen werden konnten. So entstand auch mehr Raum für nachhaltige und fortschrittliche Schritte und Projekte, die der Verband zusammen mit den Gemeinden angehen konnte.

Im Dialog bleiben

Ein wichtige Leitlinie Winters ist es, nicht Konflikte zu bewirtschaften, sondern im stetigen Dialog gegenseitiges Verständnis zu fördern und damit mehr Chancen auf gemeinsame Lösungen zu generieren. Der SIG vertritt und lebt heute diese Haltung, die sich in den verschiedensten Arbeitsfeldern des Verbands zeigt, so im politischen Umgang, in der Präventionsarbeit oder in der Koordination mit den Gemeinden. Mit dem Professionalisierungsschub im letzten Jahrzehnt hat auch diese Mentalität viel dazu beigetragen, dass der SIG heute von Partnerorganisationen, Behörden, Politikern und den Medien als sachlicher, aufrichtiger und verlässlicher Partner angesehen wird. Die Informations- und Medienarbeit wurde nach der Formel Dialog und gegenseitiges Verständnis gepaart mit Hartnäckigkeit ausgebaut und professionalisiert. Die Projekte in der Antisemitismusbekämpfung wurden hinsichtlich Prävention und Aufklärung gestärkt und die Experten- und Ansprechrolle gegenüber Behörden und der Politik gefestigt.

Repräsentieren und Engagement zeigen

Das Engagement von Herbert Winter zugunsten der jüdischen Gemeinschaft war aussergewöhnlich und zeitintensiv. Neben seinem Amt als SIG-Präsident brachte er sich auch als Vizepräsident des World Jewish Congress und des European Jewish Congress ein. Er war ein aktives und geachtetes Mitglied des Schweizerischen Rats der Religion, den er auch während zwei Jahren präsidierte. Auch an der Basis repräsentierte er den Verband und scheute sich nicht, an zahllosen Gesprächen und Vorträgen teilzunehmen und dort seine und jene Positionen und Haltungen des Verbandes zu vertreten und zu erklären.

Als Vermittler im Einsatz

Für Winter war es stets von grosser Bedeutung, dass sich die Juden in der Schweiz als eine grosse Familie verstehen. Darum wirkte er vermittelnd zwischen den unterschiedlich aufgestellten Gemeinden, zwischen West- und Deutschschweizern und zwischen den grossen und kleinen Gemeinden. Er vergass zudem nie den Kontakt zu den liberalen Juden ausserhalb des SIG zu suchen und voranzutreiben. Dieser rege Austausch führte auch dazu, dass heute der SIG und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz PLJS eine enge Kooperation pflegen und gegenüber Gesellschaft und Politik kongruent, einhellig und mit einer Stimme für alle Juden in der Schweiz sprechen.

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