Abschied von Edouard Selig

In tiefer Trauer nimmt der Schweizerische Israelitische Gemeindebund SIG Abschied von Edouard Selig. Am 4. November 2020 ist Selig im Alter von 65 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben. Er war seit 2012 Mitglied der SIG-Geschäftsleitung und in dieser Zeit zuständig für das Ressort Soziales. Der SIG drückt der Familie und seinem Umfeld sein Beileid aus und wünscht ihnen in dieser schweren Zeit viel Kraft.

Edouard Selig war ein ruhiger und besonnener Mann, der durch sein unermüdliches Engagement für jüdisch-hebräische Schriften und Literatur und sein Pflichtbewusstsein in Erinnerung bleiben wird. Der SIG durfte seit 2012 auf diese Tugenden, seinen Erfahrungsschatz und Gestaltungswillen in der Geschäftsleitung vertrauen. Selig hatte ein ausgeprägtes Gespür für soziale Anliegen und für Menschen in schwierigen Situationen. So hatte er in der SIG-Geschäftsleitung lange Jahre das Ressort Soziales inne und war Mitglied im Vorstand des VSJF.

Ein Mann der Bücher

Edouard Selig ist in Zürich geboren und wuchs dort und in Aarau auf. Früh zeigte er seine Bereitschaft sich einzubringen und engagierte sich sehr aktiv in den Jugendbünden. In jungen Jahren zog es ihn nach Israel, wo er eine Jeschiwa in Jerusalem besuchte. Nach seiner Rückkehr absolvierte er erfolgreich sein Jurastudium in Zürich. Schon bald konzentrierte er sich aber auf seine wahre Berufung und wurde Bibliothekar. Selig selbst bezeichnete sich als Bücherwurm. Diese Leidenschaft machte er zu seinem Beruf und gründete einen jüdischen Verlag sowie die Buchhandlung Morascha, die er zusammen mit seiner Frau Karin geführt hat. Im Rahmen des Verlags entstand die Serie der Gebetsbücher «Schema Koleinu», die im deutschsprachigen Raum Bekanntheit erlangten und von verschiedenen jüdischen Gemeinden übernommen wurden. Ein Meilenstein in dieser Karriere war seine Ernennung zum Leiter der Karger-Bibliothek der Israelitischen Gemeinde Basel IGB. Als Hüter dieser angesehenen Sammlung investierte er viel Zeit und Kraft in die Katalogisierung der Bestände und die digitale Modernisierung. Seine Unermüdlichkeit zeigte sich auch andernorts. Während Jahren war er als jüdischer Religionslehrer in Basel tätig. Selig brachte sich im Vorstand der Basler Loge sowie im Verein Neuer Zirkel in Basel ein. Grosse Wertschätzung erfuhr er ausserdem in seinem Enthusiasmus für den interreligiösen Austausch. Für viele bleiben seine Vorträge und vor allem seine Führungen in der Basler Synagoge in bleibender und dankenswerter Erinnerung.

Ein Verlust für die jüdische Gemeinschaft

Der Verlust für den SIG und auch die jüdische Gemeinschaft ist immens. Selig hat erst vor zweieinhalb Wochen mit seiner Wiederwahl an der SIG-Delegiertenversammlung seine dritte und letzte Amtszeit angetreten und damit mit seiner langjährigen Erfahrung eine wichtige beratende Rolle eingenommen. In seiner krankheitsbedingten Abwesenheit wurde ihm das Ressort Kultur zugesprochen, das ihm so am Herzen lag. Mit etwas Stolz durfte er noch kurz vor seinem Tod zur Kenntnis nehmen, dass er nun zum sogenannten «jüdischen Kulturminister» der Schweiz ernannt worden wäre. Auf seine weiteren Dienste an der jüdischen Gemeinschaft kann die gesamte SIG-Familie nicht mehr zählen. SIG-Präsident Ralph Lewin würdigt das langjährige Geschäftsleitungsmitglied: ««Edouard Selig war ein unermüdlicher Schaffer, ruhig im Ton, besonnen in der Debatte und aufrichtig und herzlich im Umgang. Der SIG verliert mit ihm seine grossen Lebenserfahrungen, die nun nur schwer und auch gar nicht zu ersetzen sind. Er wird uns und der jüdischen Gemeinschaft fehlen.» Der Familie und seinem Umfeld drückt der SIG sein tief empfundenes Beileid aus und wünscht ihnen in dieser Zeit der Trauer Kraft und Zuversicht.