Jüdisches Leben in Zeiten des Coronavirus

Die Coronakrise verlangt von allen viel ab. Sie lässt aber auch die Solidarität und den Gemeinschaftssinn erstarken. Der SIG als Dachverband der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz unterstützt die Bemühungen der Gemeinden und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Die Coronakrise hat die ganze Schweizer Gesellschaft unerwartet und drastisch getroffen. Das gilt genauso für die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz. Das Gemeindeleben stand plötzlich weitgehend still. Auf die meisten gemeinschaftliche Aktivitäten musste verzichtet werden, so waren insbesondere die Sederabend an Pessach nur im engsten Familienkreis oder nur alleine möglich. Für alle war diese Situation neu und in ihrem Ausmass beunruhigend.

Engagierte Gemeinden

Die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz hat sich in dieser ausserordentlichen Situation äusserst engagiert und solidarisch gezeigt. Die jüdischen Gemeinden haben mit Hilfe von zahlreichen Freiwilligen schnell reagiert und eine breite Palette an Massnahmen und Angeboten auf die Beine gestellt. Es wurden Einkaufshilfen oder Rundtelefone für ältere Menschen und Angehörige von Risikogruppen zur Verfügung gestellt. Besonders die Sozialdienste der Gemeinden haben sich anpackend um diejenigen gekümmert, die schnell und unbürokratisch Hilfe benötigten. Umgehend wurden Lösungen bei der Versorgung mit Koschererzeugnissen und Pessachprodukten erarbeitet. Die Gemeinschaft hat auch neue Wege eingeschlagen, wie Schiurim per Telefon oder virtuellen Religionsunterricht sowie Kabbalat Schabbat, Hawdala und andere besinnliche Momente, die online gestreamt wurden.

Unterstützung durch den SIG

Der SIG hat von Beginn an seine Ressourcen und Beratungsdienstleistungen für die Bewältigung der Auswirkungen der Krise mobilisiert. Der Verband sorgte für einen regelmässigen virtuellen Austausch zwischen den Gemeinden und stand seinen Mitgliedgemeinden mit Rat und Tat zu Seite. Denn die Gemeindeführungen waren und sind mit vielen Fragen konfrontiert. Es stellten sich auch die Herausforderungen, welche Hilfe die jüdische Gemeinschaft der gesamten Gesellschaft anbieten kann. So haben sich auch einige jüdische Gemeinden auf Anfrage angeboten, der Armee bei Bedarf Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Zudem hat der SIG die Gemeinden beim Import und der landesweiten Verteilung von Koschererzeugnissen und Pessachprodukten beraten und wo nötig Hand bei Versorgungsengpässen geboten. Während des gesamten Lockdowns war die Versorgung mit koscheren Lebensmitteln gewährleitet.

Lockerungen und ein Stück Normalität

Schwerpunktmässig hat der Verband schon früh mit den zuständigen Gesundheitsbehörden zusammengearbeitet, um Lösungen für eine sichere Lockerung und Normalisierung bei religiösen Zeremonien zu erarbeiten. Beide jüdischen Dachverbände SIG und PLJS hatten bereits bis Ende April ein ausgereiftes Schutzkonzept für jüdische Gottesdienste erarbeitet und vorgelegt. Unter Einhaltung dieses Schutzkonzeptes hatte der Bundesrat schliesslich die Durchführung von Gottesdiensten rechtzeitig für Schawuot wieder erlaubt.

Mit den wieder möglichen Gottesdiensten kehrt auch bei vielen anderen Aktivitäten langsam mehr und mehr Normalität zurück. Die Gemeinden waren in dieser Situation in hohem Masse gefordert und haben eine hervorragende Arbeit gemacht. Der SIG wird sie auch in den nächsten Monaten eng begleiten und weiterhin tatkräftig unterstützen.

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