Buchvernissage «Für Recht und Würde»

18.05.2016, Bern

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident,

liebe Gäste,

liebe Freunde

Leider habe ich Georges Brunschvig nie persönlich kennen gelernt. Und doch: Für mich persönlich war und ist sein Lebenswerk existenziell. Ohne ihn würde ich heute wahrscheinlich nicht hier stehen in meiner Funktion als SIG-Präsident.

Wie wir alle wissen, war Georges Brunschvig ein erfolgreicher Anwalt. Als junger Jus-Student interessierte ich mich Ende der 60er Jahre brennend für den Prozess gegen den israelischen Sicherheitsbeamten Rachamim, den Georges Brunschvig verteidigte. Ich bewunderte Brunschvigs juristisches Können und las bald auch alles über die früheren Fälle, an denen er gearbeitet hatte.

Dieser jüdische Anwalt prägte Prozesse und Verfahren, die von weltweiter Bedeutung waren – und bis heute sind. Er prägte die Berner Prozesse um die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion", er war Verteidiger im Begnadigungsverfahren des David Frankfurter, der 1936 in Davos Wilhelm Gustloff erschossen hatte, und er verteidigte eben diesen Rachamim, um nur ein paar besonders spektakuläre Fälle herauszugreifen.

Brunschvig kämpfte stets für die Gerechtigkeit, für die jüdische Sache und für Israel, und dies mit grossem Erfolg – er wurde so fast zwangsläufig zum Idol für mich, den jungen jüdischen Jus-Studenten.

In meinen Augen machte mein Idol genau das, was auch ich anstrebte: Er verband Passion und Profession. Er ging nicht einfach einem Beruf nach, sondern einer Berufung – und das auf höchstem Niveau.

Meine Bewunderung für Georges Brunschvig ging so weit, dass ich 1970 in Zürich zum ersten Mal eine SIG-Delegiertenversammlung besuchte: Ich wollte den Kämpfer für Recht und Würde, über den ich schon so viel gelesen habe, einmal in Aktion sehen. Sein Charisma, die Selbstsicherheit, mit der die Versammlung leitete, beeindruckten mich nachhaltig. Diese DV war gleichzeitig mein erster Kontakt mit dem SIG, den ich nun seit acht Jahren präsidiere, und den Georges Brunschvig ganze 27 Jahre führte.

Sein Tod liegt schon 43 Jahre zurück. Die Werte, die er verteidigte, sind aber aktueller denn je. Er kämpfte für Menschenrechte und gegen Diskriminierung, er engagierte sich für Flüchtlinge, für eine offene, humane Schweiz und immer auch für Israel. Eines seiner wichtigsten Anliegen als SIG-Präsident war die Einigkeit der Schweizer Juden, ungeachtet ihrer religiösen Ausrichtung.

Georges Brunschvig ist mir heute denn auch genauso wie in meinen Studentenzeiten ein leuchtendes Vorbild.

Seine Werte und Ziele sind die meinen.

Dass wir sein Lebenswerk nun mit einem Werk aus unserer SIG-Buchreihe würdigen können, erfüllt mich mit grosser Befriedigung.

Ich bedanke mich herzlich bei der Autorin Hannah Einhaus, die unglaublich viel Energie und Herzblut in das Buch gesteckt hat. Mein Dank geht auch an Francine Brunschwig, die in der SIG-Geschäftsleitung für die Kultur verantwortlich ist, und an Pia Graf, die das Buchprojekt koordiniert hat und nach dem heutigen Tag und jahrelanger Tätigkeit als SIG-Kulturbeauftragte in den wohlverdienten Ruhestand tritt.

Danken möchte ich an dieser Stelle auch, Ihnen, liebe Odette Brunschvig.

Sie haben ihrem Mann jenen Rückhalt gegeben, ohne den seine aufreibende Tätigkeit nicht möglich gewesen wäre. Ihre Verbundenheit mit dem SIG und dem Schweizer Judentum ist stark wie eh und je, und es gibt wohl keinen anderen Menschen, der wie Sie insgesamt 65 SIG-Delegiertenversammlungen besucht hat!

Sie, liebe Frau Brunschvig, haben das Buch stark unterstützt und die Fortschritte genaustens verfolgt. Dafür gebührt Ihnen mein Dank. Es freut mich sehr, dass Sie heute hier sein können, liebe Frau Brunschvig.

Bei Ihnen, liebe Gäste, bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit, und wünsche Ihnen einen weiterhin interessanten Abend.