Rede an der Feier 150 Jahre Israelitische Kultusgemeinde Baden

09.06.2009,

Sehr geehrter Herr Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, Dr. Josef Bollag

Sehr geehrter Herr Botschafter des Staates Israel, Ilan Elgar

Sehr geehrte Herren Rabbiner

Sehr geehrte Damen und Herren Ehrengäste aus Politik, Kirchen und anderen jüdischen Gemeinden

Liebe Gemeindemitglieder

Sehr geehrte Gäste

Es ist mir eine Freude und gleichzeitig Ehre, Ihnen die herzlichsten Grüsse und besten Glückwünsche des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes zum 150-jährigen Bestehen Ihrer Gemeinde zu überbringen.

Meine Freude ist deshalb eine ganz besondere, weil ich mit der Tochter eines Ihrer aktivsten Mitglieder verheiratet bin und aufgrund vieler Besuche in Ihrer Gemeinde, sei es an Schabbat oder an Feiertagen, immer wieder das Leben, den Esprit und die Atmosphäre dieser Gemeinde erleben darf. Ihre Gemeinde ist eine Kleingemeinde innerhalb des SIG. Sie ist indes von einer derartigen Vitalität erfüllt, dass ich mir dies für manche grössere Gemeinde auch wünschen würde. Und was Ihre Gemeinde für mich so speziell macht, sie ist eine Einheitsgemeinde im besten Sinne des Wortes.

Sie vereint Juden und Jüdinnen ganz verschiedener religiöser Ausrichtungen unter einem orthodoxen Rabbinat und alle diese Strömungen haben Platz in dieser Gemeinde, respektieren sich gegenseitig und tragen das ihre dazu bei, dass diese Gemeinde blüht. Wenn ich nur daran denke, wie Sie es fertig bringen, Woche für Woche am Freitag Abend und am Schabbat-Morgen und an allen Feiertagen ein Minjan, also einen Gottesdienst von 10 Männern, zusammenzubringen, und dies bei einer eher doch bescheidenen Zahl von Mitgliedern, so ist dies absolut bewundernswert. Bei Ihnen, liebe Badener, herrscht ein wunderschöner Sinn für Solidarität und Zusammengehörigkeit. So wundert es mich auch überhaupt nicht, dass der Mitgliederbestand Ihrer Gemeinde in den letzten Jahren kontinuierlich wächst. Auch das kann man leider nicht gerade von allen jüdischen Gemeinden in der Schweiz sagen. Von da her gesehen, bin ich überzeugt, dass diese Gemeinde auch weiterhin eine blühende Zukunft haben wird. Auf jeden Fall ist dies mein ganz persönlicher Wunsch und auch der Wunsch des SIG.

Schon in der Vergangenheit hatte Ihre Gemeinde für den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund eine ganz besondere Bedeutung, wurde nämlich unser Dachverband hier in Baden am 27. November 1904 gegründet. Neben Ihrer Gemeinde traten damals 12 weitere jüdische Gemeinden bei, deren Hauptziel es war, sich dafür einzusetzen, dass das Schächtverbot aufgehoben würde. Dieses wurde bekanntlich 10 Jahre zuvor in die Schweizerische Bundesverfassung aufgenommen. Seit damals war Ihre Gemeinde stets ein äusserst aktives Mitglied des SIG. Aus Ihrer Gemeinde kam bekanntlich auch ein Präsident, nämlich unser geschätzter Dr. Michael Kohn, der dieses Amt von 1988 bis 1992 ausübte.

Erwähnen möchte ich auch den grossen Einsatz Ihres Präsidenten, unseres geschätzten Dr. Josef Bollag, in der Geschäftsleitung des SIG, und zwar von 2000 bis 2008, davon die letzten 4 Jahren als Vizepräsident. Und wenn ich mir bei meinen Besuchen hier in Baden die jüngeren Leute in der Gemeinde ansehe, habe ich allen Grund zur Annahme, dass der oder die eine oder andere von ihnen sich früher oder später auch einmal im SIG engagieren werden. Dies ist zumindest meine Hoffnung und gleichzeitig Vision.

Sehr verehrte Damen und Herren, erlauben Sie mir zu schliessen mit dem Dank an die Gemeinde, mich zu diesem schönen und würdigen Anlass eingeladen zu haben und hier einige Worte an Sie richten zu dürfen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Herbert Winter