Rede am Kongress Tarbut

01.12.2008,

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich freue mich ausserordentlich, Ihnen die besten Grüsse des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes zu überbringen. Seit im Jahre 2001 Tarbut zum ersten Mal durchgeführt wurde, hat unser Dachverband, dem die meisten jüdischen Gemeinden in der Schweiz angehören, diese Veranstaltung sowohl ideell wie auch finanziell unterstützt und tut es auch dieses Jahr wieder.

Ich selbst nehme, zusammen mit meiner Gattin, dieses Jahr zum ersten Mal teil, und bin ganz gespannt, was mich hier erwartet. Nun, das von Ihnen, liebe Frau Salamander und lieber Herr Professor Brenner ausgearbeitete Programm ist zweifellos hochinteressant und wird meine Erwartung und sicher auch die von uns allen nicht enttäuschen. Bei den Themen der Referate und Podiumsdiskussionen, die uns bevorstehen, werden wir zweifellos viel Interessantes, Konträres, aber auf jeden Fall Spannendes zu hören bekommen.

Was an Tarbut von den Teilnehmern früherer Veranstaltungen so ausserordentlich geschätzt wurde, war das hohe Niveau der Referate und Diskussionen. Dies wird, wie ich gerade gesagt habe, dieses Jahr sicher auch wieder so sein. Noch wichtiger ist für mich aber, dass Tarbut es immer wieder fertig bringt, Teilnehmer aus allen jüdischen Kreisen ins Gespräch zu bringen, religiöse Juden aller Schattierungen, Kulturjuden, Linke und Rechte, Juden, die ihre Identität überwiegend aus der Shoah oder aus dem Antisemitismus heraus begründen, Juden, für die Israel die zentrale Identität ihres Judentums bedeutet, Jüngere und Ältere, Juden aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Wo, frage ich Sie, gibt es etwas gleiches oder schon nur ähnliches? Nirgends! Leider finden solche Begegnungen in unseren Breitengraden immer weniger statt. Viele, wenn nicht die meisten von uns, treffen sich regelmässig mit Gleichgesinnten und tauschen Meinungen aus, die gegenseitig weitgehend bekannt und akzeptiert sind. Mit Juden zusammenzukommen, die ganz anderen Kreisen angehören, gehört leider zur Seltenheit, auch wenn es zweifellos löbliche Ausnahmen gibt. Dabei ist der Austausch von Meinungen, ja das Aufeinanderprallen völlig konträrer Meinungen, ganz, ganz wichtig. Das ist es doch auch, was das Judentum in der Vergangenheit geprägt und weitergebracht hat. Die Diskussion muss sein und stärkt uns.

Einige von uns sind im interreligiösen Dialog mit Christen und Moslems engagiert und das ist nicht nur gut so, sondern eminent wichtig. Wenn das aber möglich ist, und wir uns alle dafür einsetzen, so muss doch erst recht der Dialog innerhalb der jüdischen Gemeinschaft möglich sein und gefördert werden. Gerade diesem Ziel dient Tarbut in vortrefflichster Weise.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein erfolgreiches, spannendes und bereicherndes Tarbut. Last, but not least, möchte ich, und ich glaube, hier im Namen von uns allen sprechen zu dürfen, Ihnen Frau Salamander und Herrn Professor Brenner, dafür danken, dass sie dieses Event wiederum organisiert haben. Es steckt zweifellos eine Riesenarbeit dahinter, die Sie wie allen früheren Jahren mit enormem Engagement unternommen haben. Mit Ihrem Einsatz leisten Sie der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Weiterentwicklung einen wichtigen Beitrag.

Herbert Winter