Abgeordneten-Versammlung SEK

15.06.2009,

Sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums der SEK-Abgeordnetenversammlung

Sehr geehrte Mitglieder des Rats des SEK

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete

Sehr geehrte Gäste

Es freut mich ausserordentlich Ihnen nun schon zum zweiten Mal die besten Grüsse und herzlichsten Wünsche des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG zu überbringen. Auch wenn ich letztes Jahr in Bellinzona aus terminlichen Gründen nur kurze Zeit unter Ihnen weilen konnte, war Ihr Empfang dennoch so herzlich, dass ich auch dieses Jahr Ihre Einladung sehr gerne angenommen habe, einige Worte an Sie zu richten.

Vor einem Jahr ging es mir in meiner kurzen Grussbotschaft vor allem darum, ganz generell über unsere guten Beziehungen untereinander zu reden und insbesondere auch die Bedeutung des politischen bwz. religionspolitischen Gesprächs hervorzuheben, welches uns schon verschiedentlich dazu gebracht hat, in der Öffentlichkeit gemeinsam, meist auch zusammen mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften, Stellung zu beziehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, wie wichtig mir der Dialog mit den christlichen Kirchen und den islamischen Gemeinschaften im Schweizerischen Rat der Religionen ist. Wir greifen dort religionspolitische Themen auf, die für uns alle von Wichtigkeit sind. Dabei sind wir verständlicherweise nicht immer einer Meinung, aber der Dialog an sich ist schon wertvoll, weil er von einer hohen Gesprächskultur geprägt ist, verbunden mit dem Willen, gemeinsame Positionen zu erarbeiten. Dass unsere Verhandlungen nur eher selten an die Öffentlichkeit kommuniziert werden, bedauere ich, weil die Basis nicht genügend von unserer Tätigkeit hört. Wir überlegen uns, ob und in welcher Form wir die Inhalte unserer Gespräche in Zukunft doch auch verstärkt an die Basis weiterleiten können. Genau dieses Anliegen habe ich generell schon letztes Jahr hier vorgetragen, nämlich dass Dialog-Gespräche so zusagen auf höherer Stufe erst dann einen echten Sinn bekommen, wenn sie auch nach unten durchfliessen.

Ein ganz besonderes Anliegen ist es mir, dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund für einige ganz klare kürzliche Positionsbezüge zu danken, die für die jüdische Gemeinschaft direkt von einiger Bedeutung sind. Ich denke dabei zuerst einmal an Ihr an den SIG gerichtetes Schreiben vom 29. Januar 2009. In diesem Schreiben haben Sie in starken Worten Ihre Teilnahme und Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft ausgedrückt im Zusammenhang mit der grossen Zahl von Zuschriften drohenden und antisemitischen Inhalts, welche wir und andere jüdische Organisationen und Menschen so zu sagen als Begleiterscheinung des Krieges in und um Gaza erhalten haben. Ihrem Schreiben folgte dann am nächsten Tag noch eine Medienmitteilung, mit welcher Sie die Öffentlichkeit über Ihr Schreiben an den SIG informierten. Wie immer man zum Nahostkonflikt ganz allgemein und zur Auseinandersetzung in und um Gaza zu Beginn dieses Jahres steht, ist das, was wir mit diesen Zuschriften, Schmierereien und einzelnen Sachbeschädigungen an jüdischen Zentren erlebt haben, etwas, das nicht mehr als Kritik an der Politik der israelischen Regierung akzeptiert werden kann. Diese darf ohne weiteres kritisiert werden, gleich wie die Politik jedes anderen Landes kritisiert werden darf. Leider aber zeigt die Erfahrung, dass Auseinandersetzungen im Nahen Osten immer wieder Menschen in diesem Land, aber nicht nur hier, dazu veranlassen, ihren antisemitischen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Mit Ihren klaren Stellungnahmen haben Sie sich wohltuend vom Schweigen abgehoben, das von verschiedener Seite in unserem Lande an den Tag gelegt wurde. Gerade angesichts der doch immer wieder so viel gepriesenen guten Beziehungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften untereinander hätte ich doch auch von anderer Seite ähnliches erwartet und wurde in meiner Erwartung leider enttäuscht.

Sie kritisierten auch in ganz klaren Worten die Aufhebung der Exkommunikation von 4 Bischöfen der antijudaistischen katholischen Piusbruderschaft, von denen einer ein notorischer HolocaustLeugner oder zumindest -Verharmloser ist. Auch diese Aussage haben wir mit viel Dank zur Kenntnis genommen. Sie deckt sich verständlicherweise klar mit der Position des SIG.

Ich möchte auch auf die vor wenigen Tagen publizierte Pressemitteilung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verweisen zum Thema "Rechtsradikale im Europa-Parlament schaden den Menschen in Europa" verweisen. Bekanntlich ist Ihr Ratspräsident, der von mir so hoch geschätzte Pfarrer Thomas Wipf, auch Geschäftsführender Präsident dieser Gemeinschaft. Ihre Sorge über den Einzug einer beträchtlichen Zahl von Rechtsradikalen ins Europa-Parlament ist auch unsere Sorge. Die Schweiz hinkt politisch bekanntlich häufig hinter den anderen europäischen Ländern her. Wir können deshalb nicht ausschliessen, dass wir ein gewisses Erstarken des Rechtsradikalismus auch hier erleben werden. Es muss unser gemeinsamer Kampf sein, sich dagegen einzusetzen, im Interesse der menschlichen Gesellschaft und unserer gemeinsamen Werte.

Lassen Sie mich schliessen mit dem Dank für Ihre Einladung, an dieser Abgeordnetenversammlung dabei zu sein und einige Worte an Sie richten zu dürfen. Ich wünsche Ihnen noch weiterhin eine erfolgreiche Versammlung und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Herbert Winter