Antisemitismus und Israel

Die seit Ende der siebziger Jahre zunehmende Kritik an Israel hat verschiedene Ursachen und Quellen, die in zwei grössere Kategorien eingeteilt werden können: In Formen des Antizionismus, die das Existenzrecht Israels grundsätzlich in Frage stellen, und in Kritik an der Politik Israels.

Kritik am Staat Israel beziehungsweise an seiner Politik ist nicht generell antisemitisch, solange man diese Kritik so tätigt, wie man sie auch an allen anderen Staaten tätigen würde. Israelkritik wird dann antisemitisch, wenn:

  • doppelte Standards angewendet werden, indem ein Verhalten eingefordert wird, wie es von keiner anderen demokratischen Nation erwartet oder gefordert wird;
  • «Israelis» und «Juden» gleichgesetzt werden;
  • Symbole und Bilder des klassischen Antisemitismus benutzt werden, um Israel oder Israelis darzustellen bzw. zu charakterisieren; etwa durch das Verwenden von Symbolen und Bildern, die mit traditionellem Antisemitismus in Verbindung stehen (z.B. der Vorwurf des Christusmordes oder die Ritualmordlegende), um Israel oder die Israelis zu beschreiben;
  • die aktuelle israelische Politik mit der Politik der Nationalsozialisten verglichen wird.

Antizionismus
Antizionismus bezeichnet die Ablehnung der jüdischen Nationalbewegung (Zionismus) und der Existenz Israels als jüdischer Nationalstaat. Motive und Begründungen von Antizionisten sind vielfältig und nicht an bestimmte Parteien oder Ideologien gebunden. Es ist nicht generell antisemitisch, wenn man die Ideologie des Zionismus ablehnt. In der Realität werden aber oft antizionistische Aussagen benutzt, um Antisemitismus zu verschleiern. Zum Beispiel wird anstatt des antisemitischen Narratives «jüdisch kontrollierte Presse» nun «zionistisch kontrollierte Presse» verwendet. Oder es wird die Aussage «Ich hasse nicht die Juden, nur die Zionisten» getätigt. Wenn «Zionisten» mit den klassischen antisemitischen Stereotypen beschrieben werden, ist es relativ einfach, den Verschleierungsversuch zu durchschauen. In vielen Fällen muss aber gut geprüft werden, ob es sich um Antisemitismus handelt oder nicht. Dabei kann auch helfen, ob die Person in der Vergangenheit schon klar antisemitische Aussagen gemacht hat oder nicht.

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