Feste und Feiertage

Der jüdische Kalender rechnet den Tag vom Abend bis zum nächsten Abend. Das jüdische Jahr ist ein Mondjahr, bestehend aus jeweils bei Neumond beginnenden Monaten zu 29 oder 30 Tagen. Weil alle Feste an bestimmte Jahreszeiten gebunden sind, wird dem normalen Jahr zu zwölf Monaten (ca. 354 Tage) alle zwei oder drei Jahre ein zusätzlicher Monat angefügt (Schaltjahr mit ca. 384 Tagen).

Die von der Thora gebotenen Feiertage teilen sich in zwei Gruppen: Die drei Wallfahrtsfeste (Pessach, Schawuot und Sukkot) und die «erhabenen Tage» (Rosch Haschana und Jom Kippur). Zur Erinnerung an freudige Ereignisse werden Chanuka und Purim gefeiert. An traurige Ereignisse erinnern der 9. Aw (Tischa Be'Aw) und andere Fasttage.

Schabbat und Festtage

Schabbat und die von der Thora gebotenen Feiertage sind Tage, die der Förderung des geistigen Wohles dienen und an denen weltliche Arbeiten verboten sind. Alle diese Tage beginnen am Vorabend vor Sonnenuntergang und enden am eigentlichen Tag etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, gemäss den von den örtlich zuständigen Rabbinaten veröffentlichten Kalendern.

Pessach

Pessach ist das erste der drei Wallfahrtsfeste. Es beginnt am 15. Nissan («Frühlingsmonat») dauert acht Tage und erinnert an den Auszug der Juden aus Ägypten. An den beiden ersten Abenden, den Seder-Abenden, wird die Geschichte des Auszuges aus Ägypten erzählt, begleitet vom Genuss des ungesäuerten Brotes (Mazza; pl. Mazzot) und von Bitterkraut (Maror). Der Ablauf der Seder-Abende erfolgt gemäss einer in der Haggada festgehaltenen Abfolge. Vor Eintritt des Pessach-Festes wird alles Ungesäuerte (Chamez) und auch die während des Jahres damit in Kontakt stehenden Gerätschaften aus dem Hause entfernt.

Nach den beiden ersten Feiertagen folgen vier sogenannte Halbfeiertage (Chol Hamoed), an welchen unaufschiebbare Arbeiten gestattet sind. Den Abschluss bilden zwei Feiertage, an welchen des Zuges der Israeliten durch das von G'tt gespaltene Schilfmeer gedacht wird.

Schawuot (Wochenfest)

Am 50. Tag nach Pessach wird Schawuot gefeiert. Es erinnert an die Gesetzgebung auf dem Berg Sinai und bildet damit den Abschluss des Prozesses der Bildung des Volkes Israel nach dem Auszug aus Ägypten. Viele religiöse Juden bereiten sich in der ersten Nacht durch Studium der Heiligen Schriften auf den Feiertag und an die Erinnerung an die Offenbarung durch G'tt (Matan Thora) vor.

Sukkot (Laubhüttenfest) mit Simchat Thora (Thora-Freudenfest)

Das neun Tage dauernde dritte Wallfahrtsfest besteht aus sieben Tagen Sukkot und zwei Schluss-Feiertagen. Während Sukkot werden alle Mahlzeiten in einer Sukka (Laubhütte) eingenommen, deren Dach aus abgeschnittenem pflanzlichem Material (Baumzweige, Blätter, Bambusrohr etc.) besteht. Täglich wird zum Hallel-Gebet und zu einem Umzug in der Synagoge ein Feststrauss, bestehend aus vier Arten von Pflanzen, in die Hand genommen. Nach den ersten beiden Feiertagen folgen fünf Halbfeiertage (Chol Hamoed). Den Abschluss bilden die beiden Schluss-Feiertage, an welchen die Thora zu Ende gelesen und von neuem begonnen wird. Der letzte Tag wird deshalb auch Thora-Freudenfest (Simchat Thora) genannt.

Rosch Haschana (Neujahr)

Die ersten beiden Tage des Monats Tischri werden als Neujahr gefeiert. In der Thora wird es Tag des Schofar-Blasens genannt. Das Schofar ruft zur Läuterung und Rückkehr zu G'tt auf. Dieser Gedanke ist das Leitmotiv für die ersten zehn Tage des Monats Tischri, welche auch die zehn Tage der Rückkehr genannt werden. Bereits im vorangehenden Monat Elul erfolgt dafür die Vorbereitung durch besondere Gebete und Blasen des Schofars.

Jom Kippur (Versöhnungstag)

Der 10. Tischri ist der Tag der Busse, ein Tag der Ruhe, des Fastens, des Gebetes und der inneren Besserung. Das Fasten beginnt am Vorabend vor Sonnenuntergang und dauert bis zum Beginn der Nacht des folgenden Tages. Hauptzweck ist die Rückkehr zu G'tt, die durch Gebete mit Sündenbekenntnis und Reue geprägt ist.

Chanuka   

Das achttägige Chanuka oder Weihefest beginnt am 25. Kislew, zur Erinnerung an die Siege der Makkabäer über Antiochus, den König von Syrien. Dabei wurde ein kleines Ölkrüglein mit geweihtem Öl für den Tempel gefunden, das auf wundersame Weise acht Tage reichte, bis wieder neues Öl beschafft werden konnte. Zur Erinnerung entzündet man jeden Abend ein zusätzliches Licht an der achtarmigen Menora, dem Chanuka-Leuchter.

Purim

Purim wird meist am 14. Adar, in gewissen Städten wie Jerusalem am 15. Adar  gefeiert und erinnert an die Zerschlagung des Plans zur Vernichtung der Juden im Perserreich. Am Abend und am Vormittag wird das Buch Esther gelesen, das diese Geschichte enthält. Geschenke an Freunde, Gaben an die Armen und ein Festmahl prägen diese Tage.

Die vier Fasttage

Zur Erinnerung an Ereignisse, die mit der Zerstörung von Jerusalem zusammenhängen, werden insgesamt vier Fasttage begangen, von welchen der 9. Aw (Tischa Be'Aw) der strengste ist. Sowohl der erste als auch der zweite Tempel wurden an diesem Tag zerstört. Alle diese Tage sind durch besondere Gebete gekennzeichnet.

Pressemitteilungen

Mittwoch, 25. Aug 2010

Herbert Winter wird neuer Vorsitzender des Schweizerischen Rates der Religionen

weiter

Likrat: Begegnungen mit dem Judentum

Der Trailer zum Film über Likrat: Begegnungen mit dem Judentum ist abrufbar.

Zum Film

Buch aus der SIG-Schriftenreihe unter den Top Ten

Noemi Sibold ist mit ihrem Buch "Bewegte Zeiten. Zur Geschichte der Juden in Basel, 1930er bis 1950er Jahre" aus der SIG-Schriftenreihe in den Top Ten der Basler Zeitung.

Das Buch in der Presse