«Ich bin überzeugt, dass andere Minderheiten viel von der jüdischen Gemeinschaft lernen können.»

Patrick Studer, Leiter Kommunikation, arbeitete sieben Jahre auf der SIG-Geschäftsstelle; nun verlässt er den SIG. Er hat die Kommunikation massgeblich mitgeprägt und erneuert. Im Interview blickt er auf die letzten sieben Jahre zurück.

SIG: Was hat dich dazu bewogen, vor sieben Jahren die Stelle anzutreten?

Patrick Studer: Ich habe vor meiner Zeit beim SIG als Journalist gearbeitet und mich in meinem Studium auf die Themen Antisemitismus, Extremismus, Geschichte des Nahostkonfliktes sowie der Schoah spezialisiert. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der SIG eine Person sucht, die sich in genau diesen Themen auskennt und gleichzeitig kommunikative Fähigkeiten hatte. Das hat gepasst, und so bin ich zum SIG gekommen.

Was hast du in diesen sieben Jahren gelernt?

Ich konnte sowohl auf der fachlichen als auch auf der menschlichen Ebene extrem viel lernen. Ich habe gelernt, wie man Themen lancieren und Debatten mitgestalten kann. Ich habe viel gelernt im Umgang mit Ehrenamtlichen, mit Behörden, aber auch mit den Medien. Es ist etwas anderes, bei einem Verband zu arbeiten als bei einer Zeitung, es verlangt andere Kompetenzen. Was ich besonders geschätzt habe: Ich habe einen sehr tiefen Einblick in das Judentum in der Schweiz und dessen verschiedene Gemeinden und Strömungen erhalten. Das fand ich sehr lehrreich und interessant.

Glaubst du, du konntest mit deiner Arbeit etwas bewirken?

Ich glaube schon. In gewissen Punkten haben wir kommunikativ viel erreicht. Zum Beispiel haben wir während des Jubiläumsjahres «150 Jahre Gleichberechtigung der Schweizer Juden» eine enorm hohe Reichweite erzielt. Alle grossen Medien haben breit über die Geschichte der Emanzipation der Juden berichtet. Was mich besonders gefreut hat: Für einmal ging es nicht nur um Antisemitismus, sondern vor allem darum, was die Schweizer Juden alles erreicht haben in den letzten 150 Jahren. Wir konnten zeigen, dass sie einen extrem wertvollen Beitrag für dieses Land leisten. Ich bin überzeugt, dass andere Minderheiten viel von der jüdischen Gemeinschaft lernen können.

Inwiefern hat sich der SIG verändert in den sieben Jahren?

Der SIG arbeitet heute sicher professioneller. Früher war das SIG-Büro ein Sekretariat. Heute ist es eine professionelle Geschäftsstelle mit Spezialisten für die einzelnen Bereiche.

Was würdest du deinem Nachfolger auf den Weg mitgeben?

Ich wünsche ihm viel Glück und kann ihm sagen: Für den SIG zu kommunizieren ist sehr vielfältig und spannend. Man erhält Einblicke in sehr viele Bereiche: In die Politik, in die Medien. Und man ist mit den verschiedenen jüdischen Gemeinden in Kontakt. Wichtig ist sicher, dass man eine Sensibilität entwickelt für die unterschiedlichen Gemeinden und die unterschiedlichen Ansprüche, die sie an den SIG haben. Es ist nicht immer einfach, allen Ansprüchen gerecht zu werden.

Was ist die denkwürdigste Episode, die du erlebt hast?

Das war der Sommer 2014 während des letzten Gazakriegs. Die Hetzkampagne im Internet und die antiisraelischen Demonstrationen haben damals viele Schweizer Juden verunsichert. Wir hatten auf der Geschäftsstelle extrem viel zu tun, waren fast rund um die Uhr mit den Sicherheitsbehörden, den Medien und den Gemeinden im Kontakt.

Was war für dich in dieser Tätigkeit der Höhepunkt?

Das war die Eröffnungsfeier des Jubiläumsjahres «150 Jahre Gleichberechtigung der Schweizer Juden». Der damalige Bundespräsident Johann Schneider-Ammann hielt die Eröffnungsansprache, Noemi Nadelmann schmetterte ihre Arien durch den Saal, und die Performancekünstler Veli&Amos irritierten das Publikum mit ihrer Show. Diese Feier war extrem spannend und vielfältig und zeigte, dass es «die» jüdische Kultur nicht gibt, sondern dass die jüdische Kultur so vielfältig ist wie die ganze jüdische Gemeinschaft. Der Abend hat viele Gäste total überrascht, und die Medien haben sehr breit darüber berichtet. Das war für mich definitiv der Höhepunkt.

Neu stösst Christian Götz zum Team des SIG und übernimmt ab 1. März 2018 die Leitung der Kommunikation. Er war in unterschiedlichen NPOs beschäftigt und bringt Erfahrungen und Know-how in politischer Kommunikation, Campaigning und Social Media mit. Zuletzt hatte er die Kommunikationsleitung von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, inne. Christan Götz hat Soziologie, Geschichte und Politik studiert und einen CAS in Corporate Communications erworben.

Seit dem 1. Februar 2018 ist Cyril Lilienfeld neu im Team des SIG und arbeitet als Leiter Politik und Analyse. Nach seinem Studium in Geschichte und Europastudien konnte er auf einem Parteigeneralsekretariat in Bern und in der kantonalen Verwaltung den Umgang mit politischer Kommunikation und dem politischen Tagesgeschäft erlernen. Vor seinem Eintritt beim SIG war Cyril Lilienfeld im Stab des Aargauer Regierungsrats Alex Hürzeler tätig.

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