Breslauer Bibliothek

Zu Beginn der fünfziger Jahre kamen nach Bemühungen des SIG wertvolle Bücher aus dem Bestand der ehemaligen Seminarbibliothek des Breslauer Rabbinerseminars in die Schweiz. Der SIG hat sich in den vergangenen 50 Jahren für die Erhaltung dieser Bücher eingesetzt. Heute sind sie in der Obhut der Bibliotheken der jüdischen Gemeinden Genf und Zürich, wo sie interessierten Kreisen zugänglich sind.

Das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau war 1854 aus dem Nachlass von Jonas Fraenckel (1773-1846) hervorgegangen und als Lehrstätte respektive «Seminar zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern» konzipiert worden. Als erster Leiter der Abteilung für die «jüdischen Wissenschaften» amtete Heinrich Graetz (1817–1891).

Graetz war es auch, der den Grundstock der Breslauer Seminarbibliothek, die berühmte Saravalsche Sammlung, in Empfang nahm. Im November 1938 fiel auch das Breslauer Seminar den Gewaltakten der Nationalsozialisten zum Opfer. Die Bibliothek wurde weitgehend vernichtet, der Lehrbetrieb eingestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1945 fanden die vorrückenden alliierten Truppen in Deutschland riesige Bestände jüdischen Kulturgutes - Bibliotheken, Kultgegenstände -, die vom so genannten «Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg» aus dem nationalsozialistischen Einflussbereich zusammengetragen worden waren.

Informationen und Kontakte

  • Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), Lavaterstrasse 33, 8002 Zürich,
    +41 (0)44 283 22 50
    http://www.icz.org/
    E-Mail
  • Handbuch der historischen Buchbestände in der Schweiz
    2009 wird ein ausführlicher Artikel zur Breslauer Bibliothek im Internet und 2010 wird der Artikel in gedruckter Form im Handbuch (Olms Verlag) erscheinen.
1949 lagerten im Depot der Commission on European Jewish Cultural Reconstruction, Inc. (JCR) in Wiesbaden - einer Institution, die sich seit Beginn der 1940er Jahre der Bewahrung jüdischen Kulturgutes annahm - rund 11’000 der ursprünglich 30’000 Bände umfassenden Breslauer Seminarbibliothek.

Übergang ins Eigentum des SIG

Dieser Bestand sollte nach umfassenden Bemühungen von Vertretern des Schweizer Judentums in die Schweiz gebracht werden. Gegen diese Absicht legte jedoch die Hebrew Library in Jerusalem ihr Veto ein und setzte durch, dass die Reste der ehemaligen Breslauer Seminarbibliothek zwischen den USA, Israel und der Schweiz aufgeteilt werden sollten.

Auf diese Weise gingen 1950 nach Angaben der JCR rund 6’000 Bände der ehemaligen Breslauer Seminarbibliothek in das Eigentum des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) über.

3'400 Titel

Die rund 3’400 Titel der Bibliothek werden heute in der Gemeindebibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) sowie in der Bibliothèque „Gérard Nordmann“ der Communauté Israélite de Genève (CIG) aufbewahrt. Die Bestände sind inventarisiert und katalogisiert.


Einblick in Vielfalt jüdischer Wissenschaften

Die in die Schweiz gelangten Bücher geben über fünf Jahrhunderte hinweg, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, einen Einblick in die Vielfalt der jüdischen Wissenschaften. Die Bibliothek enthält rabbinische Erklärungen, aggadische Werke mit Erbauungsliteratur und Predigten. Daneben lassen sich zum Teil künstlerisch verzierte Ausgaben des Tanach und des Talmuds finden.

Mystische Literatur, Texte zur Chassidut sowie philosophische Schriften runden die Sammlung ab. Vereinzelt sind auch belletristische Werke, Dichtungen (Pijutim) sowie humoristische Literatur in der Sammlung erhalten geblieben.

Pressemitteilungen

Mittwoch, 25. Aug 2010

Herbert Winter wird neuer Vorsitzender des Schweizerischen Rates der Religionen

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Likrat: Begegnungen mit dem Judentum

Der Trailer zum Film über Likrat: Begegnungen mit dem Judentum ist abrufbar.

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Buch aus der SIG-Schriftenreihe unter den Top Ten

Noemi Sibold ist mit ihrem Buch "Bewegte Zeiten. Zur Geschichte der Juden in Basel, 1930er bis 1950er Jahre" aus der SIG-Schriftenreihe in den Top Ten der Basler Zeitung.

Das Buch in der Presse