Antisemitismus und Israel

Die seit Ende der siebziger Jahre zunehmende Kritik an Israel hat verschiedene Ursachen und Quellen, die in zwei grössere Kategorien eingeteilt werden können: In Formen des Antizionismus, die das Existenzrecht Israels grundsätzlich in Frage stellen, und in Kritik an der Politik Israels.

Antizionismus ist der Gegenbegriff von Zionismus. Der Zionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die sich infolge des Antisemitismus in Europa ab 1880 politisch organisierte und einen eigenen jüdischen Nationalstaat in Palästina anstrebte. Der Antizionismus stellt den Zionismus als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts des jüdischen Volkes grundsätzlich infrage. Er ignoriert dabei die Tatsache, dass mit Israel kein Ort geschaffen werden sollte, in dem nur Juden leben, sondern ein Land, wo sich die Juden auch in der Not und in Zeiten der Verfolgung niederlassen konnten. Antizionismus kann antisemitisch sein, wenn das Ziel die Vernichtung des jüdischen Staates ist.

Grenzen von legitimer Kritik

Kritik an der politischen Ausrichtung Israels, an seiner Regierung oder seinem gesellschaftspolitischen Zustand ist wie bei jedem anderen Land zulässig. Die Kritik wird dann jedoch antisemitisch, wenn sie sich nicht gegen Israel als Staat oder gegen die israelische Politik richtet, sondern Israelis im Nahostkonflikt pauschal als Täter dargestellt werden und dieses Täterbild allgemein auf die Juden übertragen wird. Eine weitere Verwischung zwischen legitimer und fragwürdiger Kritik findet dann statt, wenn an Israel aufgrund politischer Interessen strengere Massstäbe angelegt werden als an andere Länder.

Personen, die antisemitische Aussagen machen, üben zusätzlich Israelkritik oder behaupten, nur antizionistisch eingestellt zu sein, um damit ihre antisemitischen Aussagen vermeintlich zu legitimieren.

Eine eindeutige Abgrenzung zwischen Israelkritik, Antizionismus und Antisemitismus ist nicht immer möglich. Es ist jedoch offensichtlich, dass diese Phänomene der Abwehrhaltung gegenüber dem jüdischen Staat oft in enger Wechselwirkung stehen.

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